Geschichtsbericht 2006 – 2016

Veränderungen auf dem Bezirk Mössingen aus Sicht des Leitenden Pastors Matthias Kapp

Die Menschen

Gliederstatistik, Kasualien, Generationenwechsel (Zahlen von Dez 2006 / Nov 2016)

Dusslingen: Glieder (22/32), Angehörige (22/20), Zugehörige (1/0), Freunde (54/82)

  • Sterbefälle: 8
  • Gliederaufnahmen: 17
  • Kindertaufen: 10
  • Besuch im Gottesdienst: 33 Erwachsene, 3 Kinder / 46 Erwachsene, 10 Kinder
  • neu in der Gemeinde seit 2006: 65 von 136 Personen (48% )

Bodelshausen: Glieder (117/113), Angehörige (57/64) Zugehörige (5/6), Freunde (50/85)

  • Sterbefälle: 30
  • Gliederaufnahmen: 20
  • Kindertaufen- und -Segnungen: 9
  • Besuch im Gottesdienst: 93 Erwachsene, 16 Kinder / 100 Erwachsene, 14 Kinder
  • neu in der Gemeinde seit 2006: 78 von 278 Personen (28%)

Mössingen: Glieder: (166/189), Angehörige (109/92) Zugehörige (17/13), Freunde (99/158)

  • Sterbefälle: 32
  • Gliederaufnahmen: 57
  • Kindertaufen und -Segnungen: 38
  • Besuch im Gottesdienst: 139 Erwachsene, 24 Kinder / 149 Erwachsene, 20 Kinder
  • neu in der Gemeinde seit 2006: 191 von 471 Personen (41%)

Der Bezirk Mössingen ist im Jahr 2006 einer der größten Bezirke der SJK und zeigt sich als Verbund von drei lebendigen Gemeinden mit je unterschiedlicher Prägung.

Besonders erfreulich ist die Gemeindeentwicklung in Dußlingen. Durch den Kirchenneubau hat die Gemeinde Zusammenhalt und Ausstrahlung gewonnen. Die langjährige Arbeit in Kindergruppen und mit Familiengottesdiensten trägt Früchte: eine Sonntagsschule konnte begonnen werden, ein großer Freundeskreis ist entstanden, wir sind mitten im Ort.
Geistliche Gemeinschaft verbindet sich mit einer Vielfalt von offenen Angeboten: Kirche&Kultur-Reihe, Kochkurse, Brasilianische Arbeit, Kinderstunde und Jungschar, Stunde der Offenen Kirche, Taizé-Gebet, Weihnachstmarkt, Spielenachmittage, Mitarbeit bei Eine-Welt, Bürgerstiftung, Inklusions- und Flüchtlingsarbeit. Ein Kern an Mitarbeitenden hat viel bewegt, ist aber oft auch an der Grenze der Belastbarkeit.

Die Gemeinde in Bodelshausen hat ihre Stärken in einer treuen Mitarbeiterschaft. Jungscharen und Sonntagsschule, Frauenfrühstück und Männervesper, Kinder-Musical-Woche, Sponsorenläufe und Mazedonien-Partnerschaft, Gottesdienste um die Kirche, Solar-GmbH und Putzteams, Büchertischarbeit und Spielnachmittage mit Flüchtlingen, Seniorennachmittage, Mitarbeiterfeste und regelmäßige Gemeindefreizeiten: es geschieht viel gute Arbeit!
Ein weit gewordenes „Einzugsgebiet“ bis Bisingen, Hirrlingen, Rottenburg sorgt für meist guten Gottesdienstbesuch. Sorgen macht jedoch der Wegzug etlicher Junger Erwachsener, während zugleich die Generation der „Ältesten“ deutlich kleiner geworden ist. Die Zahlen zeigen, dass im Blick auf Erneuerung und Nachwuchs sich Bodelshausen nicht so dynamisch entwickelt hat, wie erhofft.

Die Mössinger Gemeinde ist groß. Es ist eine Freude, die Vielfalt der Menschen in den Gottesdiensten und beim Kirchenkaffee zu erleben. Vor allem die mittlere Generation und Familien mit Kindern prägen das Bild. Immer wieder finden neue Leute Anschluss. Umso wichtiger wurde in den letzten zehn Jahren die Frage nach dem Gemeinsamen und Verbindenden: wo kommen wir uns wirklich nahe, auch geistlich? Was ist unser gemeinsamer Auftrag? Wo gilt es zu bewahren und wo aufzubrechen? Im Rückblick wird das Jahr 2010 hier zu einem Wendepunkt: aus einer Krisenstimmung entwickelte sich das intensive Suchen nach Konzeption und Leitbild.
Im Dreiklang von Bibelarbeit, Gebet und Gespräch zeigte sich: „Am Anfang steht die Gewissheit, dass Gott uns liebt und wir ihn auch lieben“ (Joh 21,17). Eine großartige 40-Tage-Aktion in der Passionszeit 2012 legte die Weichen für das weitere Miteinander und Wachstum. Im Leitbild wurde freilich der Blick auch auf die „Bedürfnisse unserer Mitmenschen“ gelenkt. Wir spüren, wie schwer es uns fällt, „Kirche für andere“ zu sein (D.Bonhoeffer). Es braucht dazu auch neue Formen: das Projekt „Steinlachstrand“ ist seit 2015/16 ein Ansatz, dessen Dynamik uns selbst überrascht hat. Mehr noch aber mag es innerhalb der Gemeinde die Sehnsucht wecken, den Raum weit zu machen für neue Begegnungen und Sichtweisen.

Hauptamtliche, Pastoren im Ruhestand, Mitarbeitersituation

In intensiver Zusammenarbeit mit Pastor Tobias Beißwenger konnten bis 2009 Strukturen überdacht und Projekte neu begonnen werden, nicht zuletzt der Kirchenbau in Dußlingen. Mit Pastor Hans-Rudolf Münz und Pastor auf Probe Matthias Wölfle erhöhte sich die Zahl der Hauptamtlichen des Bezirks erstmals auf drei, hinzu kam Brigitte Jäger als Mitarbeiterin in Gemeindebüro und Seelsorgedienst. Die gabenorientierte Aufteilung der Dienste innerhalb des Teams hat sich dabei insgesamt bewährt. Matthias Wölfle konnte in der SJK nicht zur Ordination empfohlen werden.

Seit 2012 ist Annika Wolf als Jugendreferentin tätig, mit viel Engagement und pädagogischem Gespür. Im Herbst 2016 hat Pastor Wolf-Dieter Keßler seinen Dienst gut begonnen. Acht Pastoren im Ruhestand standen mir in diesen Jahren brüderlich zur Seite, mit einem Schatz an Erfahrung und enormer Einsatzbereitschaft.
Rund 40 Sitzungen der Leitungsgremien und Ausschüsse fanden jedes Jahr statt, samt Vorarbeit und Protokollen. Verantwortungsbereitschaft und Einmütigkeit prägten die Zusammenarbeit in den Sitzungen. Besonders dankbar bin ich für die unermüdliche Arbeit der Laiendelegierten und GV-Vorsitzenden.

Die Dienste aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir seit einigen Jahren in die Bereiche Aufbauen – Helfen – Bezeugen aufgeteilt, gemäß VLO VI, Art 243. Einerseits dient dies der Transparenz: man sieht, wie viel zu tun ist und wer was macht. Andererseits soll es helfen, jeden Dienst einem Ziel zu zu ordnen: wir betreiben Gemeinde nicht, dass „etwas läuft“, sondern bauen Gemeinde, helfen einander und bezeugen Evangelium.

In diesen Listen sind rund 340 unterschiedliche Namen genannt (Dußlingen 57, Bodelshausen 96, Mössingen 186), die meisten Namen begegnen wiederum in mehreren Diensten. Schon manche Geschwister habe ich, etwa wenn ich in Mössingen durch die Kirchenküche kam, mit Psalm 23,6b gegrüßt („Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“). Allein die Tatsache, dass alle Gemeindezentren Woche für Woche ehrenamtlich geputzt werden zeigt, welche Einsatzbereitschaft und Hingabe sich hinter diesen Mitarbeiterlisten verbirgt.

Gemeinde als Familie, Miteinander als Bezirk

Ganz bewusst haben wir es gefördert, dass die Gemeinde als Großfamilie erlebt wird: im Beieinander der Generationen, im Anteilnehmen, im Aushalten von Meinungen und Stilen. Es ist durchaus zu prüfen, ob dieses Leitbild des „Alle miteinander“ wirklich tragfähig ist: Familie kann anstrengend sein. Und der Termin-Stress ist ständiges Thema. Viele sehnen sich abends und an Wochenenden nach „Auszeit“. Die Selbstverständlichkeit, sonntags oder bei einer Gemeindeveranstaltung in der Kirche dabei zu sein, ist geschwunden. Viele der „Sternstunden“ der letzten Jahre basieren aber auf dieser Erfahrung des Beieinanderseins: das festliche Osterfrühstück, Sonntagsschul-Weihnachtsfeiern, Musical-Aufführungen, Hüttenabende bei der Junge-Leute-Freizeit, sprudelnde Gemeindekonferenzen und Gemeindeaktionstage, Tränen und Gebete in der „Zeit der Gemeinschaft“, das große Tauffest am Steinlachstrand. Das Zusammenstehen als Bezirk, z.B. in den Chören, tut immer gut. Im Teeny- und Jugendbereich möchten wir den Bezirksgedanken wieder gezielt pflegen und dadurch auch Kräfte frei setzen.
Der Kirchenbau in Dußlingen, Kostenpunkt rund 1,1 Mio (330.000 € für Grundstück und 728.906 € Baukosten), wäre ohne den Zusammenhalt des Bezirks bei Entscheidung, Finanzierung und zahllosen Baueinsätzen nicht möglich gewesen.

Die Gebäude und Finanzen

Mutiges Handeln trägt Früchte

Erstes Jubiläum: 100 Jahre Christuskirche Mössingen (2011), 20 Jahre Neubau (2016),
Zweites Jubiläum: 25 Jahre Friedenskirche Bodelshausen (2015),
Drittes Jubiläum: 5 Jahre Friedenskirche Dußlingen (2016)

Ohne unsere funktionalen und einladend schönen und gepflegten Gebäude hätten wir nicht diese Gemeinden. Mit großem Einsatz unserer Bauleute, Gartenleute, Putzleute und Verwalter wird das Vermögen erhalten. Immer wieder wird neu investiert: in Malerarbeiten, in die Photovoltaikanlage Bodelshausen (seit 2010 durch eine Solar GbR), ins neue Hegwiesenplätzle beim Firstwald (Tausch/Kauf 2008, Bau eines Geräte- und Sanitärgebäudes), Holzschuppen 2009, Steinlachstrand 2016, nun anstehend Flachdachsanierung Mössingen, Renovationen Haus Erlenstraße und Pastorenwohnung, Erdwärmeheizung in Bodelshausen.

Auch in die Ausstattung der Gebäude wurde sinnvoll investiert: Lautsprecheranlagen und Beamertechnik in allen drei Kirchen, aber auch eine gute Elektro-Orgel in Bodelshausen und Orgelnachrüstung in Mössingen, Flügel für Dußlingen. Oft gab es bei diesen Anschaffungen große Spendenbereitschaft und großzügige Einzelspender, auch Erbschaften fielen uns zu.

Von den nicht mehr genutzten Kapellen in Dußlingen (Verkauf 2012 für 120.000€) und Talheim (Verkauf 2013 für 85.000€) haben wir uns verabschiedet.

Über Geld muss man wenig reden

Die Umlage ist in den letzten 10 Jahren von 163.000€ auf 270.000€ gestiegen: mehr Hauptamtliche und mehr Glieder auf dem Bezirk, gestiegene Pastorengehälter, kleiner werdende Kirche. Aber auch die Einnahmen wuchsen von 323.262€ (2006) auf 471.243 (2015). Dies macht sehr dankbar, auch die besonnene und tadellose Kassenführung. Durch den Gemeindebrief und in einer jährlichen Gemeindeversammlung werden die Glieder über die Finanzen informiert. Gerade in diesem Bereich gelten die Leitungs-Grundsätze: Transparenz, Kommunikation, Nachvollziehbarkeit. Ich meine, dass wir uns bei allen Geldausgaben, im Großen wie im Kleinen, von methodistischen Vorbildern haben leiten lassen: sparsam wo möglich und großzügig wo nötig (J.Wesley: „spare so viel du kannst, gib so viel du kannst“. Robert Schnase: „Das fünfte Kennzeichen fruchtbarer Gemeinde ist außerordentliche Großzügigkeit“).

Arbeitsbereich „Aufbauen“

Musik und Gottesdienst

Leider haben sich Gitarrenchor und Gemischter Chor in Bodelshausen nach Jahrzehnten wertvollen Dienstes aufgelöst. Der Gemischte Chor Mössingen hingegen übt und singt regelmäßig, ebenso wie der bezirksweite Chor Salz&Licht und der Bezirks-Posaunenchor. Flötenkreise gibt es in Mössingen und Dußlingen. Die Chöre wirken besonders auch in die Öffentlichkeit: auf Friedhöfen oder in Pflegeheimen.
Überall, auch in der Liedbegleitung an Klavier und Orgel, ist ein hohes musikalisches Niveau vorhanden. Ausbildung von Nachwuchs erfolgt nur bei den Bläsern. Lobpreis-Teams samt Instrumenten haben sich in allen drei Gemeinden gebildet und ins Liedgut wurden neuere Lieder aufgenommen, auch englische. Wieder ist der Grundsatz leitend, dass wir „alles miteinander“ machen wollen, und also immer den Ausgleich und die richtige Mischung suchen. Selbst Jugendgottesdienste haben den Anspruch „für alle“ zu sein.

Unsere Gottesdienste sind in der Regel traditionelle Predigtgottesdienste. Anspiele, Text- oder Bildeinblendungen oder Symbole tauchen gelegentlich auf und wollen das Hören unterstützen. Ein belebendes Element in Bodelshausen ist der „Kinderteil“, oft eine eigene bildhafte Kurzpredigt. Dass die hörende Gemeinde auch eine feiernde Gemeinde sein kann, wurde in Osterfrühstücksgottesdiensten oder bei der Nacht der verlöschenden Lichter deutlich. Haben wir zu wenig versucht, von der „Deutung“ weg zu kommen, hin zum Erleben der Gottesgegenwart?
Etwa 2009 stellte sich die Frage, ob es auf dem Bezirk ein „Zweites Programm“ braucht: Zielgruppengottesdienste mit bestimmter Musik, mit Raum für Experiment und stärkerer Einbeziehung der Gemeinde. Der Gottesdienstbesuch in Mössingen war oft so, dass nachgestuhlt werden musste. Wir haben den Schritt nicht getan. Seither stagniert der Besuch aber auch. Und wir tun uns an allen Orten schwer, die junge Generation für den Gottesdienstbesuch zu begeistern.

Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Drei Sonntagsschulen in Altersgruppen, Kinderbetreuung, Kinderstunde, Mutter-Kind-Kreis, vier Jungscharen, Wesley-Scouts (altersübergreifende Pfadfinderarbeit mit gutem Start seit 2015), Kinder-Musical, Fußballgruppe, Teeny-Kreis und Jugendkreis, Junge-Erwachsenen-Hauskreise, Junge-Leute-Freizeit, JAT-Woche (2014), Zeltlager, Kirchlicher Unterricht mit großen Jahrgängen. Das Veranstaltungsangebot zeigt, dass weiterhin die Kinder- und Jugendarbeit ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit ist.
Ausbaufähig ist die Verschränkung von Gruppen mit „der Gemeinde“. Wo dies gelingt, etwa bei Zeltlagernachtreffen, Erntedank mit Kinderstunde oder Sommerfest mit Jungschar, erreichen wir Eltern und weiten unsere Freundeskreise und erleben fröhliche Gottesdienste. Die Aufgabe der Schulung für die aktuell 110 Mitarbeitenden im Jugendbereich ist mühsam. Angebote vor Ort oder seitens des Kinder- und Jugendwerks werden kaum genutzt. In Bodelshausen wurden „Leitlinien für die Mitarbeit“ entwickelt. Neue Mitarbeitende sollen über ihren Auftrag, ihre Kirche und die bestehenden Hilfestellungen informiert werden. Der Schutzauftrag der Kirche im Blick auf Sexuellen Missbrauch wird ernst genommen.

Erwachsenenbildung und Wachstum im Glauben

Die Erhebungsbögen des Bildungswerks verzeichnen im Jahr 2015 nicht weniger als 168 Einträge für Angebote in der Erwachsenenbildung des Bezirks: Bibelstunden und Gesprächskreise, Schulungen, Freizeiten, derzeit 13 Hauskreise. Besonders zu nennen ist die Gemeindebibelschule Bodelshausen (seit 2013), mehrere Alpha-Kurse und Alpha-Ehekurse, Dreiklang-Gemeindeabende, 40-Tage-Aktionen, ganz besondere Vorträge und Konzerte bei „Kirche & Kutur“, die „Bodelshäuser Woche“. Wahrheit ist nicht einfach, sondern vielfach. Es braucht das Reden und Ringen, es braucht das Glaubensgespräch in der Gemeinde. Glaube wird nicht vererbt, sondern wächst heran, sucht Weite und Tiefe. In allen Gemeinden ist Geistliches Wachstum ein großes Anliegen.

Arbeitsbereich „Helfen“

Dienste für die Gemeinde

Neben den vielerlei Diensten zur Pflege der Gebäude und zur Organisation aller Angebote, sei hier besonders der Besuchsdienst und die Seelsorge genannt. Als Pastoren besuchten wir in der Regel alle Geschwister ab 70 zu den Geburtstagen und im Krankheitsfall, ebenso zu Kasualgesprächen oder Mitarbeitsgesprächen. Für Telefonanrufe, Besuche im Pastorat und „Alltagsseelsorge“ unter der Kirchentür waren wir nahezu immer bereit. In Mössingen betreut zudem ein ehrenamtlicher Besuchsdienst jene Geschwister, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können. In allen Gemeinden gibt es Fahr- und Abholdienste. Am Wichtigsten ist jedoch das Netz an Beziehungen unter den Geschwistern. Und oft sind es die Gebetsgemeinschaften, wo Sorgen gut aufgehoben sind.

Dienste für andere

Nächstenhilfe geschieht durch viele Geschwister mit großer Selbstverständlichkeit und Opferbereitschaft. Für besondere Fälle hat Pastor Reiner Dauner den Verein „Lebensmut“ initiiert, auch der Leitende Pastor ist hier im Vorstand. So konnten etwa Freizeitkosten für Suchtkranke oder Asylsuchende übernommen werden. Als Bezirk sind wir im Verein Mössinger Tafel e.V., öffnen unsere Häuser für Sprachunterricht und zur Begegnung mit Geflüchteten, pflegen eine Partnerschaft mit dem „Miss-Stone-Gesundheitszentrum“ in Mazedonien (workcamps 2013 und 2014, Sponsorenläufe seit 2007), helfen verfolgten Christen und beten für sie.
Die Arbeit von Brot für die Welt und insbesondere der EmK-Weltmission wird kräftig unterstützt: „Kinder helfen Kindern“, Werbung für Projekte, Freiwilliges Jahr im Ausland, jährliche Vorträge beim Missionsnachmittag. Die Summe an „Durchlaufenden Geldern“ liegt bei über 50.000€ jährlich.

Arbeitsbereich „Bezeugen“

Schmerzhaft mussten wir wahrnehmen, dass der Begriff „Evangelisation“ bei nicht wenigen Gliedern der mittleren Generation Abwehr und ungute Erinnerungen hervor ruft. Unverkrampftes Einladen zum Glauben fällt uns schwer. Freilich wissen wir, dass unser ganzes Leben und Handeln sowieso lauter redet als das formulierte Zeugnis.
In Bodelshausen haben wir in Evangelischer Allianz die ProChrist-Wochen 2009 und 2013 maßgeblich mit organisiert, in Mössingen Jesus House 2007 und 2011. Die gemeinsame Aufgabe hat Christen zusammen geführt und vergewissert. Es gab große Anstrengungen beim Rahmenprogramm, in Werbung und Straßeneinsatz. Es waren gelungene Abende. Aber erreichen wir mit unserem „Programm“ noch die so ganz anders gewordene Lebenswelt der meisten Mitbürgerinnen und Mitbürger? Verstehen wir sie überhaupt noch, und sie uns? Vorträge von Pastor Barry Sloan Anfang 2015 ermutigten uns, „raus aus dem Salzstreuer“ zu kommen. Nicht Anwesenheit zählt, sondern ob der Glaube verändernde Kraft hat. Die Bewegung freshX – fresh expressions of church – will für uns eine Herausforderung sein. Das Projekt „Steinlachstrand“ in Mössingen zeigt, dass uns solche Art von Evangelisation liegt. Wir müssen nichts erzwingen, sondern dürfen unsere Stärken und Gaben ausspielen! Aber auch dazu braucht es Überwindung, Phantasie und Offenheit für Gottes Leiten. In Zukunft wird noch viel mehr Hand in Hand mit anderen Christen statt finden müssen.
Der Kontakt innerhalb der Ökumene ist an allen Orten persönlich und regelmäßig und mit zunehmendem Verständnis für den anderen. In Mössingen war 2015 der erste gemeinsame Gottesdienst zur Eröffnung der Allianzgebetswoche ein Durchbruch. Als EmK waren und sind wir hier eine treibende Kraft und müssen es als einzige große Freikirche im Steinlachtal auch sein. Seitens der Ortschaftsverwaltungen und in der Presse werden wir wohlwollend wahr genommen. Manche Türen stehen offen, auch weil mehrere EmK-Glieder sich in den Gemeinderäten politisch engagieren.

Das Wirken Gottes

Auf dem Bezirk Mössingen wird viel gebetet. Es mag dies der eigentliche Grund sein, warum im Berichtszeitraum so vieles gut, manches wunderbar gelungen ist. Wir hatten kaum Reibungsverlust. Der Umgang miteinander, gerade auch in den Gremien, geschah in der Kraft der Liebe und war auf das Fragen nach dem Willen Gottes ausgerichtet. Im Reformationsjahr 2016/2017 bietet nun der doppelte Pastorenwechsel die Chance und die Notwendigkeit zur Neuorientierung. Im Mössinger Leitbild heißt es: Wir als Gemeinde sind bereit, uns dem Preis von Veränderung und Wachstum zu stellen – Was wir machen, machen wir gut.

Mit Dankbarkeit für alles mir entgegen gebrachte Vertrauen

Euer Pastor Matthias Kapp