In der EmK-Dusslingen. 

Meditation und Ansprache zum Thema „Worte unterm Kreuz – Worte am Kreuz“ zu Karfreitag, 02.04.2021 in Dusslingen

Meditation

Gebäudenische. In einer Nische dieser Welt. Draußen vor dem Tor. Auf der Müllhalde. Kreuze. In einer Ecke dieser Nische. Da geht es los: Quelle der ganzen Erzählung.

a) die beiden blauen Fenster über Eck; sie spiegeln sich ineinander. Golgatha, die Kreuze, das Leiden. Überdimensioniert hohe Kreuze, ganz links Worte Jesu vom Kreuz herab; Fingerzeige/Schuldzuweisungen? ein Soldat mit Helm für die Römer; der Hauptmann unter dem Kreuz, der die Gotteserkenntnis formuliert (Dreieck im Kopf); der Verspottete, geschlagene Jesus. Oder doch auch ein Hirte? Jesus – der gute Hirte?! Im re. Fenster der Durchbohrte. „Szenen aus dem Kreuzweg. Bilder der Verurteilung und der Todesstunde Christi.“ 

Alle Figuren m. weißen Strichen gezeichnet: ein Geschehen, wie kein anderes. Herausgehoben. Besonders. Göttlich. 

Auf der unteren Ebene Menschen unter dem Kreuz; undefinierbare Menge – auf unserer Sitzhöhe: Wir. In Blautönen als Zeichen der Zuwendung und Treue Gottes. 

b) Zwischen Karfreitag und Ostern ist nicht viel. Ein Tag. Der sog. Rüsttag. Die vor uns liegende Wand lädt uns trotzdem ein, zu verweilen: Violett der Wand. Purpur: „Symbolfarbe der Ewigkeit“. Karfreitag findet auf dem Hintergrund der Ewigkeit statt. Geplant vor aller Zeit und Welt: Dieser Tod. Unser Tod. Unsere Erlösung. – Purpur war auch der Vorhang im Tempel. Der zerriß. Zur Todesstunde. – Wie leicht hingeworfen ein überdimensionaler Pinselstrich; schemenhaft eine Dornenkrone. Sie weicht nach rechts – wie wegprojiziert, aus dem Bildausschnitt der Nische heraus hin zur Osterwand: Der Sieg – über den Feind Gottes, über den Tod, über das Leiden – ist vorgezeichnet. – Die Dornkrone erscheint am Ende durchgestrichen. Rundet sie sich für die Gemeinschaft der Gemeinde unter dem Kreuz? Der Blutfleck („vitales Rot“) scheint noch übrig. Vom Leiden. Vom Tod. Begleitet Gemeinde unter dem Kreuz. Im Abendmahl, im Bekenntnis, aber auch im Zeugnis vor der Welt. 

Wir, die wir sonntags an dieser Wand entlang sitzen: Wir haben sein Kreuz im Rücken. Und wir sind auf Augenhöhe unterwegs. Im Zeichen der Dornenkrone. ER hat gelitten, damit wir leben. Mit IHM.

c) Das blaue Fenster rechts – etwas versteckt. Zwei Menschen. Kopf an Kopf – über Kopf: Der untere – Haltung des Toten im Grab. Der gleiche als der Auferstandene? In der Wirkung des Todes Jesu und der kommenden Auferstehung werden (Natur)gesetze aufgehoben. Das gibt es normal nicht. Das hellblau scheint nach oben hin in grün überzugehen: Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung. 

Betrachtung 

Ich beziehe mich auf die beiden Kreuzfenster in der linken Nische: Worte unterm Kreuz. Worte am Kreuz. 

Worte unterm Kreuz

Mt 27, 39ff. par: „Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben. Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.“

Wie ein basso continuo ziehen sich seit eh und je Spott, Unverständnis und Ablehnung über Jesus und das Kreuz hindurch. Bis heute: War es zu hoch, über ihre Köpfe hinweg, zu groß – was da geschah?! – Gott Ja. Aber Jesus? Wozu, warum das Kreuz? War Jesus Gott, oder einfach nur ein guter Mensch? Starb er konsequent für seine Ideale? Brauchen wir einen leidenden, toten Gott? Ist Gott tot? – Fragen, Spott, Vorwürfe, Unglaube. Bis heute. Wenige nur, die hindurch-blicken. Die nach oben hören: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ (Mt 27,54c) – so der röm. Hauptmann. 

Lied EmK 212 „Ich gehöre dazu“

Worte oben am Kreuz 

Lk 23,34: „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Mt 27,46 par: „Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: : Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Joh 19,30: „Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!…“

Lk 23,46: „Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. 

Worte oben am Kreuz. Nicht von oben runter. Kein Vorwurf. Kein Haß. Keine Abrechnung. – „Vater, vergib ihnen!“: Jesus spricht mit seinem Vater. Wie so oft schon zuvor. Er hat sich Kraft geholt. Er hat sich Weisung geholt. Er hat für seine Leute gebetet. Das Hohepriesterliche Gebet Joh 17 öffnet unseren Blick auf das Miteinander mit dem Vater: Und wie unser Heilwerden, unsere Rettung, unsere Erlösung im Zentrum steht. So auch hier: „Vater, vergib ihnen!“ Vergib ihnen, dass sie mich gerade kreuzigen! Denn sie blicken nicht durch, verstehen nicht, was sie da tun. Sie versuchen, Gott umzubringen, der gerade dabei ist, für sie in den Abgrund zu springen. Für sie beim Satan zu bezahlen. An ihrer Stelle den geistlichen Tod, die Gottesferne zu erleiden: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Genau deswegen. Damit Jesus diese Gottesferne erleiden kann. An unserer Stelle. Die Konsequenz der menschlichen Entscheidung gegen Gott. Im Sündenfall. Hier und jetzt trägt Gott selbst in Jesus die Konsequenz dieser Entscheidung. Ein Sterben in Gott-Verlassenheit. Wie wir an Ostern sehen werden kein Untergang Gottes, sondern ein Opfer. – „Es ist vollbracht!“: Erlöstes Aufatmen nach einem langen Weg des Leidens und Sterbens. Für – anstelle dieser Welt. Auch wenn sie gerade garnichts damit anfängt. Der Ratschluß Gottes für diesen Weg existierte schon vor Erschaffung unserer Welt: Gott war nicht bereit, seine Geschöpfe dranzugeben. Seinem Feind zu überlassen. Jesus würde zur Welt kommen und so sterben. Dieser Prozess ist hier an seinem Ziel. 

Zuletzt „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Gestorben muß noch werden. Wirklich gestorben. Jetzt geschieht das Opfer. Gottes Opfer für die Welt. 2.Kor 5,19: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu… vgl. Kol 2,14 „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“ (s. auch Eph 2,15) Vielleicht hat der Feind Gottes nicht gedacht, dass Gott so weit geht – dass er selbst wirklich anstelle seiner Menschen stirbt. Aber das ist nun geschehen. 

Diese gewaltige Botschaft ist unser Evangelium. – Worte unterm Kreuz. Worte oben am Kreuz. Da sind Welten dazwischen. Aber Gott hat diese Welten, diese Entfernung von Gott überwunden!

Komm. Entdecke Deinen himmlischen Vater. Jesus. Und finde schon heute so viel Vorhimmel. Im Leben an seiner Seite! Amen.

Wolf-Dieter Keßler