In der EmK-Dusslingen.  

Meditation und Ansprache zu Eph 2,1-10 in Dusslingen zu Ostern, 04.04.2021 

Meditation zur Chorwand in Dusslingen

wie mit einem überdimensionierten Pinsel leicht hingeworfen: ist es der Stein vom Grab? Schwindend gibt er den Toten frei. 

Auch einer Weltkugel gleich: 

Unerwartet aufgebrochen – die Welt, unsere Realität (Pinselstrich links), die Fläche der Wand, ja die Wand selbst: für die neue Dimension Gottes. Leuchtend orange das Kreuz. Durchbruch der Freude. Nach drinnen und nach draußen.

Das Kreuz ist mittendrin. Bleibend. Aufbrechen geht nicht ohne das Kreuz. Der Aufbruch geht von ihm aus. 

Ein überdimensioniertes Kreuz scheint über der Welt zu liegen und greift doch weit darüber hinaus. Der Himmel und aller Himmel Himmel können es nicht fassen! 

Die Spur des Aufbrechens zieht sich über die Welt und Zeit. Es ist die Realität des Sieges über den Tod. Aufgelöst die starre Form des Kreuzes – frohe Botschaft – Kraft des Lebens – auferstandenes Leben

Vibrierend, zitternd und voller Kraft eingegraben. Wie eingebrannt. Aufgebrochen: Unaufhaltsam bahnt sich das Neue seinen Weg. Schräg, von der Seite einfallend, schräg zur Welt, einfach schräg – für unsere Vernunft; unlogisch, unverfügbar, von außen – 

bis hinein in die Holzplatte des Abendmahlstisches und ihn durchdringend: Gastmahl der Gemeinschaft der Gläubigen, Zuspruch, Trost, Ermutigung, Bekenntnis

bis hinein in die Kanzel. Löcher, eingebrannt in Metall: sie brechen das Ungewohnte der Form der Kanzel nocheinmal auf, irritieren, verstören: wer hier verkündet, ist hineingenommen, von der frohen Botschaft selbst berührt, beseelt, aufgebrochen, auferstanden

Die Spur des Aufbruchs – auch ein Graben, der diese Welt scheidet. An Jesus scheiden sich die Geister.

Und über allem ist es die Ostersonne, die uns mit ihrem intensiven gelb scheint. Ostermorgen. Es ist alles anders. Ungläubiges Staunen. Wir können damit rechnen: Gottes Sieg hat unsere Welt, unsere Realität aufgebrochen. Etwas Anderes, Neues ist entstanden. Eine neue Realität. 

Durch Ostern.

Ansprache zu Eph 2,1-10

Ostermorgen. Licht. Aufbruch. Durchbruch: Was wir so fresh, so new, so spannend und interessant beschreiben – es sind Symbole. Für einen Durchbruch, der dahinter liegt. Der Durchbruch einer neuen, ganz anderen Realität. 

lies Eph 2,1-10

Wie heißt Du? Wo kommst Du her? Das sind grundlegende Fragen, die wir stellen können, wenn wir jemand Neues treffen. Wo kommst Du her? – Wißt Ihr, wo Ihr her kommt? Auf diese Frage hätte in der Gemeinde in Ephesus wohl fast jeder eine andere Antwort gehabt: Ephesus war damals die Hauptstadt der röm. Provinz Asien. Mit einem Hafen und direkte Anbindung an zwei wichtige Handelsstraßen in den damaligen Osten. Da kommen sie aus aller Herren Länder. Doch der Verfasser ist an etwas anderem interessiert. Es ist auch mehr eine rhetorische Frage, die er hier stellt: Wißt Ihr, wo Ihr herkommt? Als Christen? Manchmal kann es als Christ wichtig sein, sich daran zu erinnern, wo man herkommt – und wer man heute ist. 

Ihr wart tot – so heißt es im Text: Hups, das wäre uns aufgefallen. Aber der Verfasser meint nicht, dass wir schonmal physisch tot waren. Er meint auch nicht: Für Gott seid Ihr gestorben. Er hat keinen Bock mehr auf Euch! Es geht um eine innere, geistliche Realität. Soll ich sagen: Es geht um den Hintergrund, auf dem Du lebst? Um das, was Dich antreibt. Von Natur aus – sind wir zwar alle Geschöpfe Gottes. Unglaublich zart und süß, wenn wir klein sind. Mit vielen Gaben und Fähigkeiten ausgestattet. Schön und gut gemacht. Aber wir gehören bereits dem Feind Gottes. Wir Menschen haben uns von vornherein gegen Gott und sein Gebot entschieden. Wir vertrauen ihm nicht, und wir lieben ihn auch nicht, weil wir groß genug sind. Weil wir selber können und keinen Gott brauchen. Zum Gut-Sein brauchen wir keinen Gott. Und zum Böse-Sein erst recht nicht. Gott hat uns schon früh verloren. Weil er uns die Freiheit ließ. Das aber führt uns Menschen letztlich ins Verderben. Nicht nur, weil wir wegen dieser selbstgewählten Freiheit von Gott so viel Lieblosigkeit, Gedankenlosigkeit, Hass, Gier, Geiz, Neid und Streit sehen; so viel Hölle auf Erden, Terror und Gewalt; Flüchtlingsströme und Ausbeutung von Natur und Umwelt. Wir sehen ja auch Gutes. Sondern weil sich das in unserem Leben verfestigt. Menschen leben dann auch in Krisen ohne Gott; ohne den Horizont seiner Liebe, seiner Gnade, seiner Fürsorge; ohne diese innere Heimat und ohne diese Hoffnung über ihre Horizonte hinaus. Und sie werden ohne Gott sterben. – Für Jesus sind das die Verlorenen. Weil sie Gott verloren haben. Mehr noch: Gott sieht dahinter seinen Feind am Werk. Er hat ihn zugelassen. Er hat ihm Spielraum gegeben. Und gleichzeitig hat er sich geschworen, dass er sich seine Menschen nicht stehlen lassen wird. Und das ist das Geniale: Gott gibt uns Menschen nicht verloren. Gott gibt niemanden verloren. Und genau das ist der Durchbruch, von dem wir reden dürfen. Von dem wir reden müssen (Eph 2,4-6b): „Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus.“ Dieser Satz ist ein absolutes Kondensat, Instant-Evangelium. Da steckt so viel drin, dass wir wohl ein Leben lang brauchen, damit es sich auflöst und für uns zum Leben wird: Wir mit Christus – gestorben und zu einem neuen Leben auferstanden. Und sogar eingesetzt im Himmel. Heute schon. Kind, Sohn, Tochter vom himmlischen Vater. Mit echter Hoffnung, mit Anrecht auf den Neuen Himmel und die Neue Erde. Auf das himmlische Miteinander mit Vater, Sohn und Geist. In höchster Vollkommenheit. – Das ist der Durchbruch: Ostern. Auferstehung – aus dem Leben ohne Gott in das Leben mit Gott. Für Gott. Und auf seine Herrlichkeit hin. – Hier bricht die Realität der Liebesmacht Gottes durch unsere Wände, löst sie auf, umgreift unsere Welt. Führt uns in der Gemeinschaft beim Abendmahl zusammen und im Zeugnis. Und füllt uns wieder und wieder durch die Verkündigung. – Ostern ist Gottes Aufbruch hin zu Dir. Ist bei Dir schon Ostern geworden? Amen.

Wolf-Dieter Keßler