Ja, es gibt ihn noch! Nach monatelanger C-bedingter Zwangspause haben wir wieder mit dem Üben begonnen – auf Abstand, im ganzen Kirchenraum verteilt! Was für eine Freude. Endlich wieder Singen und das „Miteinander“.

Auch eine Chorversammlung stand wieder an, nachdem die letzte 2019 ausgefallen war. Nach einem gemütlichen Anfang, mit kleinen Köstlichkeiten und Zeit zum „Schwätzen“, gab es noch den offiziellen, geschäftlichen  Teil. Dieser wurde mit einer Andacht von Frank eröffnet. Zuerst blickten wir zurück auf Zeiten und Dienste vor Corona: Singen im Gottesdienst, Sommer und Winterrunde bei den Geschwistern, die nicht mehr in den Gottesdienst kommen können, Singen bei Beerdigungen und am Volkstrauertag auf dem Friedhof usw. Auf überregionale Chorprojekte, wie Singtage mit Christoph Tschunke und dem Konzert hier in der Kirche, Chorpalette in Herrenberg und auf das Üben mit Chören aus der Region, eine sehr anspruchsvolle Messe von Dvorak, bis zur Hauptprobe. Das Konzert fiel dann der Pandemie zum Opfer.

Es wurden wichtige Entscheidungen besprochen und getroffen. Paul König hat sich, nach vielen Jahrzehnten als Dirigent, auch aus der Stellvertretung verabschiedet. Der Dank für seinen jahrzehntelangen, verantwortungsvollen Einsatz und Dienst ist nicht in Worten zu fassen. Somit wurde Christa Eissler als Chorleiterin bestätigt. Die Stellvertretung bleibt momentan vakant. Alfred und Hildegard Wagner wurden nach ca. 70 Sängerjahren (!) mit einigen Wunschliedern verabschiedet. Alfred war auch jahrelang Chorobmann (heute Chorvorsitzender). Für ihn wurde Volker Moldt gewählt. Hildegard hat die Chorkasse geführt. Diese Aufgabe übernimmt Doris Rieker. Mit Beiden verlieren wir unfassbar langjährige, treue Chormitglieder. Sie haben so viel Engagement, Mittragen und Gebet in diesen Chor mit eingebracht, dass es auch hier für den Dank keine Worte gibt. Sie hinterlassen eine Lücke die wir gerne mit neuen Sängerinnen und Sängern auffüllen würden. Es muss auch nicht für 70 Jahre sein.

Ich möchte hier Werbung für das Singen im Chor machen. Denn „Singen“ ist viel mehr, als den „richtigen Ton“ zu treffen. Singen ist, wie Sprechen, eine Grundäußerung / eine grundsätzliche Kommunikationsform des Menschen. Singen ist in allen Kulturen der Welt  zu Hause. Yehudi Menuhin sagt: „Singen ist die eigentliche Muttersprache der Menschen.“ Singen ist die natürlichste und älteste Form der musikalischen Betätigung. Das Singen von Liedern, Lieder sind eine Einheit aus Melodie und Text, dient zum Ausdrücken von Gefühlen wie Freude, Trauer, Ärger, Wut, Liebe, usw. Das Singen bewirkt eine Veränderung dieser, meiner Gefühle, meines Bewusstseins und meines Verhaltens. Das ist heutzutage sogar medizinisch durch Hormonbestimmungen nachweisbar. Durch regelmäßiges Singen vernetzen sich die Synapsen in unserem Gehirn auf neue besondere Weise. So dass wir ausgeglichener, friedfertiger und klüger werden. Singen fördert also durch Ausschütten oder Reduzieren bestimmter Hormone die Stimmung und das wiederum beeinflusst das Gemeinschaftsgefühl in einer Gruppe. Ein Phänomen des Singens ist auch, dass man häufig vom Üben einen Ohrwurm mit nach Hause nimmt, der einen im Alltag begleitet. Oder aber man bekommt in einer schwierigen Situation plötzlich eine Melodie, ein Lied geschenkt, das einen tröstet und Mut macht.

Singen im Chor ist, bei aller Aufgabe, gesundheitsfördernd und eine Bereicherung für das eigene Leben. Und die Gemeinschaft, die so nebenbei entsteht, möchte ich nicht missen. Deshalb eine herzliche Einladung zum Reinschnuppern: mittwochs ab 20 Uhr in der EmK Mössingen! Wir würden uns sehr freuen, neue Gesichter willkommen heißen zu dürfen.

Doris Rieker