Unser dreijähriger Sohn liebt es, Fotobücher anzuschauen. Immer wieder blättert er in einem herum. Seit er auf der Welt ist erstelle ich jährlich eines und inzwischen erinnert er sich an die abgebildeten Alltagsmomente, Ausflüge, Feste und Urlaube.

Auch ich schwelge hin und wieder in Erinnerungen. Ich bin in der EmK Mössingen aufgewachsen und so vieles ist mir in den Jahren in Erinnerung geblieben: Sommerfeiern, Jungscharfreizeiten, Zeltlager, WGLs, Teeniekreisfreizeiten, Maiwanderungen und so manches mehr. Diese Erlebnisse haben mich, meine Beziehung zu der Gemeinde und mein Glaubensleben geprägt.

Das Fotobuch, das ich vom Jahr 2020 erstellt habe, ist dünner als gewöhnlich ausgefallen – man hatte weniger Kontakte und Kinder- und Jugendgruppen mussten abgesagt werden, Feste wurden verschoben und Urlaube sind kleiner ausgefallen.

In den vergangen zwei Jahren wurden auch in unserer Gemeinde weniger Erinnerungen geschaffen, denn immer wieder müssen Gruppenleitende und Verantwortliche absagen, neu planen und improvisieren. Und eines ist sicher – niemand muss während dieser Zeit so viel einbüßen wie Kinder und Jugendliche. Von ihnen wird erwartet, dass sie akzeptieren und hinnehmen.

Während ich diese Andacht schreibe und wir uns alle auf den Frühling und die damit erhofften Lockerungen freuen, bricht Krieg in Europa aus und der Rucksack den wir tragen füllt sich noch mehr mit Ängsten, Sorgen und Weltschmerz. Die Leichtigkeit, nach der wir uns so sehr sehnen schwindet noch etwas mehr und Fassungslosigkeit angesichts des Leids macht sich breit. Plötzlich leben in unserem Umfeld Familien, die von heute auf morgen ihre Heimat, ihre Väter und Freunde zurücklassen mussten.

Ich frage mich, ob das Thema meiner Andacht angesichts dieser so dramatischen Lage in der Ukraine überhaupt noch relevant ist. Doch dann bemerke ich: mehr denn je müssen wir uns den Kindern unserer Gemeinde und den Kindern, die zu uns geflohen sind annehmen. Mehr denn je müssen wir uns darum bemühen, dass sie in unserer Gemeinde Wurzeln schlagen können und Menschen um sich haben, denen sie sich anvertrauen können. Mehr denn je müssen wir uns darum bemühen, dass sie eine Heimat finden und einen Gott kennenlernen, dem sie vertrauen können. Mehr denn je müssen wir als Gemeinde Erlebnisse schaffen, die in Erinnerung bleiben, an denen sie in schweren und dunklen Zeiten festhalten können und die ihnen Halt und Sicherheit geben.

Sabrina Reinhardt